Frei sein bedeutet, dankbar zu sein
Millionen Menschen müssen flüchten.
Vor Krieg, vor Armut, vor unvorstellbar fürchterlichen Bedingungen.Und vor allem vor ihrer Heimat.
Während ich es mir in meiner richtig gut gehen lasse.
In ÖsterREICH, dem wunderbarsten Land der Welt: so schön, so sicher, so reich. In Wien, der vielleicht lebenswertesten Stadt der Welt. Im siebten Bezirk, dem coolsten überhaupt. In meiner Traumwohnung: 45m2, ohne Mitbewohner, mit Balkon.
Millionen Menschen kämpfen ums Überleben, gegen das Erfrieren, gegen das Verhungern. In ihrer Heimat, auf ihrer Flucht nach Europa, in Europa.
Ich kämpfe maximal gegen den österreichischen Winter. Und den fiesen Wiener Wind. Aber das ist ganz leicht. Entweder „flüchte“ ich in meine kuschelig warme Wohnung oder, wenn ich rausgehe, schlüpfe ich ganz einfach in angenehm warme Kleidung. Kleidung, die ich teilweise nicht einmal selbst bezahlt habe. Sie wurde mir geschenkt, weil ich so ein berühmter Fußballprofi war und jetzt manchmal als Fußballexperte im Fernsehen rumstehe.
Und wenn ich Hunger habe, dann bediene ich mich einfach bei meinem Kühlschrank, meinem mit biologischen, hochwertigen Lebensmitteln prallgefüllten Kühlschrank. Und wenn ich gerade keine Lust auf Kochen habe, dann lass’ ich mir das Essen einfach liefern. Wann ich will, was ich will, wie viel ich will.
Millionen Menschen suchen verzweifelt Arbeit. Oder noch schlimmer: dürfen nicht einmal Arbeit suchen. Weil sie ewig lange auf ihren Asylbescheid warten müssen. Und wenn es dann irgendwann doch klappt, dann meist zu einem Hungerlohn.
Ich muss keine Arbeit suchen. Sie findet mich. So wie mein cooler Job beim ORF zB. Oder meine so erfüllende Arbeit als Trainer bei teco7. Oder meine Vorträge. Alle davon natürlich anständig bis sehr, sehr anständig bezahlt. Menschen bezahlen dafür, meine Geschichte zu lesen. Oder meine Analysen zu hören. Oder ihr Logo auf meine Brust zu picken… schräg, oder?
WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM? WARUM?
Warum ist das Leben so ungerecht? Warum müssen so viele Menschen so ein Schicksal erleiden? Warum ich nicht? Warum darf ich Österreicher sein?
Aufgrund vieler lehrreicher Erfahrungen der letzten Jahre wurde der Satz „Alles im Leben hat seinen Sinn“ zu einem meiner wichtigsten Lebensmottos.
ABER: Hat wirklich alles im Leben seinen Sinn???
Ich glaube nicht.
Auf unserer Weltreise habe ich mir über diese vielen „Warums“ wirklich oft und lange den Kopf zerbrochen. Und irgendwann akzeptieren müssen, keine (befriedigende) Antworten zu finden. (Falls du welche hast, bitte trotzdem her damit!)
Aber ich habe aufgehört, mich für mein so privilegiertes Leben schlecht zu fühlen. Stattdessen habe ich begonnen, für mein so privilegiertes Leben richtig dankbar zu sein. Mein Dankbarkeitstagebuch hilft mir dabei. (Fast) Jeden Tag schreibe ich da hinein. Weil mir auch (seit einen halben Jahr) jeden Tag was Neues einfällt.
Ich bin davon überzeugt, dass auch dir jeden Tag etwas einfällt.
Wofür kannst du dankbar sein? Was magst du an deinem Leben, das vielleicht nicht selbstverständlich ist?
Wir beide hatten verdammt viel Glück. Alleine mit der Tatsache, dass wir auf diesem Fleckerl der Erde geboren wurden. Ich glaube, dass es unsere Aufgabe ist, unser Glück zu teilen. Mit denen, die viel weniger haben.
Jeder kann etwas tun, etwas teilen, etwas geben.
Geld- und/oder Sachspenden sind im Moment sicher am effektivsten.
zB an die Caritas, die sich sehr stark für Flüchtlinge einsetzt.
Oder willst du mithelfen, Samale (hier seine bewegende Geschichte) eine Ausbildung in einer ganz besonderen Schule zu finanzieren?
http://www.respekt.net/de/projekte-unterstuetzen/details/projekt/945/
Oder willst du Pate werden oder hast sogar einen Platz in deiner WG?
http://www.fluechtlinge-willkommen.at/
Du kannst aber auch einfach „nur“ Zeit geben. Dich in Flüchtlingsheimen engagieren. In Wien beim Haupt- oder Westbahnhof anpacken. Events mit und für Flüchtlinge veranstalten. Diese Menschen in unsere Gesellschaft integrieren. Auf sie zugehen, ihnen zuhören und das Gefühl geben, willkommen zu sein.
Und das Mindeste: Vorurteile beseitigen. Offen sein. Dankbar sein.
Damit hilfst du nämlich nicht nur anderen, sondern auch dir selber 😉
Dein
Peter Alexander