Frei sein bedeutet, bewusst zu werben - meine ORF-Pickerl
Ich unterschrieb diesen Sommer meinen Vertrag beim ORF. Er ist nicht lang. Drei Seiten oder so. Im Wesentlichen besteht er eigentlich nur aus zwei Paragraphen. Zwei Abschnitten, in denen es ums Geld geht. What else…
Der erste Absatz ist mittel-lang. Es geht um mittel-mäßig viel Geld. Um das Honorar, das mir der ORF bezahlt. Der zweite Absatz ist dann schon länger. Es geht um mehr Geld. Um das Honorar, das mir mögliche Sponsoren bezahlen (könnten): Ich darf bei meinen Analysen nämlich zwei Pickerl an meiner Hühner-Brust anbringen. Auf denen so ziemlich alles drauf sein darf. Mit wenigen Ausnahmen: Keine Werbung für die bösen, bösen Tabak- und Alkoholindustrien. So ein Logo würde schließlich jeden Zuseher sofort in die Abhängigkeit stürzen. Man stelle sich vor, wir hätten noch mehr von diesen Schwerverbrechern namens Raucher. Wobei laut Vertrag Werbung für Alkohol bis 14 (!) Prozent dann doch okay wäre… Da müssen „wir Österreicher“ schon zusammenhalten… Der (ehemalige) Stiegl-Cup (nein, dafür bekomme ich jetzt kein Geld) lässt grüßen…
Politische Aussagen sind auch nicht erlaubt: Sogar REFUGEES WELCOME war der Rechtsabteilug des ORF zu politisch. Ich nahm die Refugees weg und wir einigten uns auf WELCOME – eine menschliche Aussage, die aufgrund der enormen Präsenz der Flüchtlingsthematik ohnehin (auch) politisch interpretiert wurde. (Mit Ausnahme von einem Menschen, zu dem ich später noch komme.) Manchmal muss man die Dinge eben diplomatisch und mit dem nötigen Hausverstand angehen. Hab ich von meinem Opa gelernt 😉
Diese neue Chance, Werbeträger sein zu können, löste einige Fragen in mir aus:
- Will ich überhaupt Werbung machen?
- Manipuliere ich damit?
- Steht es mir zu, Geld für etwas zu nehmen, für das ich „nichts“ tue? (Ich würde ja sowieso dort stehen und meine Analyse machen.)
- Schauen die Pickerl – unabhängig vom Logo – nicht einfach doof aus?
All diese Zweifel führten in Folge auch zu einer inneren Zerrissenheit: Auf der einen Seite die Möglichkeit, damit gutes Geld zu lukrieren, auf der anderen Seite die Gefahr, mich zu verkaufen.
Im Zuge dessen stellte ich mir auch die Grundsatzfrage:
Ist Werbung an sich gut oder schlecht…?
Mhm… was meinst du?
Wie so oft im Leben gibt es nicht nur Schwarz und Weiß, sondern sehr viel Grau dazwischen. Oder besser gesagt: Gold. Zumindest in diesem Fall habe ich (m)einen goldenen Mittelweg gewählt. Einen Weg, der sich gut anfühlt: BEWUSST WERBEN.
Werbung ja, aber nicht für jeden. Anders als früher als Spieler darf nun einzig und allein ich entscheiden. Anno dazumal musste ich auch Logos von Firmen auf meiner einst etwas breiteren Sportler-Brust (und auf meinem Rücken, meinem Allerwertesten, meinen Schultern, meinen Oberschenkeln, meinen Waden usw.) tragen, die ich nicht so prickelnd fand.
Selbst bestimmen, um selbst zu stimmen.
Long story short.
Ich habe den Entschluss gefasst, die Werbe-Möglichkeit zu nützen, um besonderen Firmen und Organisationen, mit denen ich mich identifizieren kann, eine Plattform zu bieten. Unternehmen, die Sinn machen. Die für Werte stehen. Die etwas bieten, das die Welt (in meinen Augen) brauchen oder sogar etwas besser machen kann. Manchmal nehme ich Geld dafür, manchmal nicht.
Nachdem ich mit meinem Haupt-Slogan MUT VERÄNDERT in meine ORF-Laufbahn startete und zwischenzeitlich mit einem für Aufregung sorgenden Hemd
die Unabhängigkeit der Ukraine feierte, haben ausschließlich Logos besonderer Unternehmen auf mir Platz gefunden:
Das wunderbare österreichisch-indische Sozialprojekt in Kalkutta, das Marie Therese und ich seit 4 Jahren begleiten und das wir auf unserer Weltreise besuchten.
- TECO7
Die innovativste Fußballschule der Welt, in der ich meinem Traumjob nachgehen darf Unser Motto: Change the world through football and freestyle. Unsere Vision: Eine eigene Schule, in der jedes Kind seinen Träumen nachgehen darf.
Betreiber der genialen Traglufthallen in den Wiener Gemeindebezirken 10 und 20 und unser winterliches teco7-Zuhause.
Das seit über 50 Jahren familiengeführte Baustoffunternehmen meines Vaters.
- hs Druck
Freunde, die mir mit „FREIGerEIST“ das schönste Buch der Welt „geschenkt“ haben.
Cooles Produkt eines Querdenkers und Visionärs: Ein biologischer und koscher Energy-Drink, der sogar schmeckt. Udo war’s übrigens auch, der mein oben erwähntes „Welcome“-Pickerl anders als von mir gedacht interpretierte… nämlich als Sponsor-Einladung 😉 Wahrscheinlich weil er schon ein paar Wochen darüber nachgedacht hat, mich als möglichen Werbe-Träger zu kontaktieren. Lustiges Beispiel für unsere subjektive Wahrnehmung.
Ich bin sehr zufrieden und glücklich darüber, mich FÜR (bewusste) Werbung entschieden zu haben. Ich habe damit einzigartigen Unternehmern eine Freude bereiten können. Und auch das schlechte Gewissen, für „nichts“ Geld zu nehmen, hält sich in Grenzen. Dem begegne ich einfach mit ganz viel Dankbarkeit. Außerdem habe ich gelernt, dass (zu viel) Geld an sich nicht schlecht ist. Es ist – wie bei der Werbung – aber wichtig, wie (bewusst) man es einsetzt. Was in meinem Fall bedeutet, es mit denen zu teilen, die weniger Glück haben. Und in den größten Luxus zu investieren, den ich mir für mich wünschen kann: Meine Selbstständigkeit. Meine Freiheit. Meine Reisen.
Liebe Grüße aus Cape Town
Mut verändert,
Dein PA